33. Marketing-Forum-Saar | Saarmesse SB 06.04.

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33. Marketing-Forum-Saar

Schon wieder Revolution in der Kommunikation - Social Media - Hype oder Trend?

Mi 06. Apr 11, 19:00 Uhr

Das 33. Marketingforum beschäftigte sich mit einem viel diskutierten Thema: Social Media. Der enorm hohe Zuspruch von 250 Gästen in Halle 13 der Saarmesse beantwortete auch gleich die im Titel gestellte Frage: Facebook, Twitter, YouTube und Co. sind kein kurzfristiger Hype - sie verändern gerade nachhaltig unsere Kommunikation. Dies verdeutlichte auch Torsten Bost, geschäftsführender Gesellschafter der ting Beratungs-GmbH,. Wer nicht in den sozialen Netzwerken aktiv sei, so sein Credo, der ist nicht im Internet. Und er legte mit Zahlen nach: Sage und schreibe 76% der Einwohner Deutschlands nutzen Social Media regelmäßig. Innerhalb von nur 9 Monaten gewann Facebook 100 Millionen Nutzer. Vergleicht man die Nutzer- mit der Einwohnerzahl, so wäre Facebook heute das fünftgrößte Land der Welt. Was für ein Potenzial fürs Marketing!

Doch wie können Unternehmen konkret Web 2.0-Plattformen nutzen? Das eruierte MCS-Ehrenpräsident und Moderator Michael Witt mit Hilfe einer illustren Runde. Andrea Juchem, geschäftsführende Gesellschafterin der Juchem-Gruppe, nannte ein ganz wesentliches Kriterium: In Social Media „kommuniziert man auf Augenhöhe und direkt mit den Kunden“, fast so wie zu alten „Tante-Emma-Laden“. Das ist eine Chance, erfordert aber auch ein Umdenken. Ein wahlloses „Überschütten“ der Zielgruppen mit Botschaften, wie man es von Print, TV oder Hörfunk kennt, sei kein probates Mittel mehr. Und auch von der reinen „Produktdenke“ müssten sich die Unternehmen verabschieden. Gemäß dem Motto: „If I tell my friends about your brand, it´s because I like my friends, not because I like your brand.“ An Twitter schätzt Juchem, dass der Dienst durch die Begrenzung auf gerade mal 140 Zeichen zur kurzen, prägnanten Formulierung erziehe. Ausführlicher darf es dann auf Facebook oder in Blogs zugehen. Juchem führt Live-Backevents mit Kunden durch, lädt Fotos hoch und bezieht die „Weisheit der Masse“ sogar in die Produktentwicklung mit ein. Sei es, dass Backmischungen nochmals überprüft werden oder man mit der Facebook-Community Ideen sammelt, wie z.B. die Torte zum Fest der deutschen Wiedervereinigung aussehen könnte. Neues Projekt ist die „operation Keksdose“. Dabei wird ein Auftrag an die Agentur ACN komplett öffentlich über Social Media abgewickelt und die Facebook-Gemeinde kann beispielsweise über Grafikentwürfe abstimmen. 

Annegret Kramp-Karrenbauer, Ministerin für Arbeit, Familie, Soziales, Prävention und Sport, ist eine der engagiertesten Socal Media-Akteure der saarländischen Politik. Sie twittert, hat eine Seite auf Facebook und Wer-kennt-wen und schreibt zu besonderen Themen einen Blog. Für sie gehört es zur Professionalität, neue Kommunikationswege zu nutzen. Gerade Politiker, die unbedingt über aktuelle Trends und Meinungen informiert sein müssten, könnten große Vorteile aus Social Media ziehen. Der iPad liegt bei ihr immer in Reichweite, damit sie jederzeit schnell agieren bzw. auf Kommentare anderer schnell reagieren kann. Denn: Man sollte die Kommunikation in Social Media nicht an Dritte delegieren. Authentizität ist ein ganz wichtiger Punkt, für Unternehmen wie Personen des öffentlichen Lebens. Kleines Kuriosum am Rande: „AKK“, der Twittername der Ministerin, wurde mittlerweile auch in der realen Welt zu ihrem Markenzeichen. Negative Kommentare sind zwar selten, kommen aber natürlich auch vor. Da legt die Ministerin - auch den Unternehmen - ein Stück Gelassenheit und Selbstdisziplin ans Herz. Ein beleidigtes, belehrendes oder gar schnippisches Verhalten kämen in der Community gar nicht gut an.

Dies bestätigte auch Simone Kempf, Presse-Referentin International bei Villeroy & Boch AG. Sie empfahl dringend, das Thema intern in die Hände eines erfahrenen Mitarbeiters zu geben, der mit einem eventuelle auftretenden „shitstorm“ entsprechend umgehen könne. Der Keramikhersteller analysiert ganz genau, mit welcher Social Media-Plattform man welche Zielgruppe am besten erreichen kann und bespielt dann die verschiedenen Kanäle. Wichtig sei auch eine kontinuierliche Präsenz. Oder umgekehrt: Wenn man mal anfängt, sich auf den verschiedenen Kanälen zu engagieren, muss man auch dranbleiben. Ein verwaister Blog, ein toter Twitter-Account oder eine veraltete Facebook-Seite seien extrem imageschädigend. Denn schließlich, so Kempf, entspräche ein User  einem Wert von 10 bis 60 Euro. Da lohnt das richtige Engagement auch unter finanziellen Aspekten. Denn Facebook stiftet nicht nur private Freundschaften und sogar Ehen – ein Unternehmen wie Pampers verkauft über die Plattform 1.000 Packungen Windeln pro Stunde!

Co-Moderatorin Dagmar Schumacher, Marketingleiterin DACH der Villeroy & Boch AG, fing während der Veranstaltung Echtzeit-Kommentare auf, die über Twitter und Facebook gepostet wurden. Fazit: Ein extrem interaktives Forum, das faszinierende Perspektiven an Kommunikation vermittelte.

 

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