Es waren die anschaulichen Sprachbilder, mit denen Sanjay Sauldie, Direktor des Europäischen Internet-Marketing Institutes, bei seinem Vortrag seine Zuhörer in den Bann zog: Wer hätte schon vermutet, dass ein 13-jähriger Junge ohne Gesicht und Gefühl über den Erfolg einer Webseite entscheidet und die neue Vertriebsmitarbeiterin nicht nur durch Schönheit, sondern durch Intelligenz und ihre Rund-um-die Uhr-Verfügbarkeit glänzen muss? Sanjau Sauldie, bekannt für seine bilderreiche Sprache, machte den Abend in den Räumen von Toyota Heisel Merzig zu einem nicht immer bequemen, manchmal auch provokanten Parforce-Ritt durch die sich dramatisch wandelnde Welt des Web 2.0. Wo gestern noch die Devise galt, im Wettbewerb der stylischsten Internetseite ganz vorne mit dabei zu sein, zählen jetzt und in Zukunft ganz andere Werte:“5 % der erfolgreichsten Unternehmen haben keine Webseite“, behauptet Sauldie und verweist auf Global-Player wie Google oder Amazon. Einfachheit im Design und ein Mehrwert für den Nutzer sind alles entscheidende Kriterien. Womit dann auch das Rätsel des 13-jährigen Jungen aufgelöst wurde, der in Form der Internet beherrschen Suchmaschine Google über Erfolg oder Misserfolg des eigenen Internetauftritts entscheidet. Ganze 85 Kriterien sind es, die Google für die Erstellung des Suchmaschinen-Rankings berücksichtigt, Ergebnis eines auch für Informatiker kaum nachzuvollziehenden mathematischen Algorithmus. Und doch gilt es, so viele Kriterien wie möglich bei der Programmierung der eigenen Homepage zu berücksichtigen, will man mit seiner Webseite die vordersten Ränge der Suchergebnisse erobern. Mit anschaulichen Live-Beispielen untermauerte Sauldie ein ums andere Mal seine unbequemen Thesen und sorgte dafür, dass im Laufe seines Vortrages immer mehr Zuhörer seine Praxistipps dankbar notierten. So etwa die Aufforderung, die Schlüsselbegriffe für die Homepage von der eigenen Zielgruppe zu erfragen. „Hören Sie genau hin, was die Menschen oder Ihre Angestellten über Sie in Foren verbreiten,“ forderte Sauldie. Seiten wie“Whostalking.com“ werden inzwischen auch von Banken gelesen. Da kann es durchaus passieren, dass Geschäftskredite mit dem Hinweis auf eine schlechte Reputation im Web abgelehnt werden. Social-Media-Netzwerke wie etwa Facebook können bei professioneller Nutzung aber ebenso zum ungemein wertvollen Marketing-Instrument im Web 2.0 werden: Marketing mit Erlaubnis wird endlich zum erreichbaren Ziel, vorausgesetzt, die schöne und intelligente neue Vertriebsmitarbeiterin beherrscht auch die Kommunikation mit der Zielgruppe. Neue Berufsbilder wie der Social-Media-Manager werden zu wichtigen Säulen eines abgestimmten Marketing-Konzeptes. Neben der Suchmaschinen-Optimierung, dem Webdesign, spezielle Anreize und Dialogmarketing behält das traditionelle Marketing als wichtige Ergänzung seine Bedeutung. Über Social-Media-Aktivitäten wie eine gut betreute Facebook-Fanpage sei es jetzt aber möglich, die Wunschzielgruppe sehr gezielt anzusprechen. Das viertgrößte Land der Welt, wie Sauldie die rapide anwachsende Nutzergruppe von Facebook bezeichnete, bietet eine ideale „Spielwiese“ für die Marketeers der Zukunft, sofern dabei die gnadenlosen Spielregeln beachtet werden. Eine Alternative zum ernsthaften Einsatz eines strategischen Internet-Marketings sieht Sauldie nicht. Alles andere käme der irrigen Vorstellung gleich, nur weil man das Radio nicht angeschaltet habe, würden die Radiosender aufhören zu senden. Die Kernbotschaft „Konversation“ des Web 2.0 weist den Weg in die sich bereits am Horizont abzeichnende nächste Phase des Web 3.0, in dem die „Konfidenz“, also das Vertrauen zur beherrschenden Leitidee werde, so Sauldie (my).



