Rückblick Veranstaltung

Van Volxem – die Wiedergeburt einer historischen Weinmarke

Do. 15.03.2018 19.00 Uhr - ESPLANADE Saarbrücken
Referent/-in: Roman Niewodniczanski, Geschäftsführer van Volxem
Moderation: Jürgen Wellnitz

Im Vortrag von Roman Niewodniczanski dauerte es nur wenige Augenblicke, bis allen Gästen des Abends klar war: hier spricht jemand, der eine maximale Leidenschaft mit dem verbindet, was er tut. In diesem Fall die Leidenschaft für Saarwein im Allgemeinen und die Marke Van Volxem im Besonderen. In einem von der ersten bis zur letzten Minute begeisternden, mit historischem Wissen rund um den Saarwein gespickten Vortrag und mit seinem Charisma sorgte der Referent dafür, dass der Funke der Leidenschaft wirklich auf alle übersprang. Marketing im besten Sinne.

Dabei gab Niewodniczanski zu, gar kein Marketing zu betreiben, zumindest keines klassischer Art. Er setze vielmehr auf Mund-zu-Mund-Propaganda und vor allem auf Relevanz. Ein Schlagwort, das im Marketing zwar häufig bemüht, aber selten mit Leben gefüllt wird. Niewodniczanski jedoch schafft es, relevante Botschaften zu formulieren – auch abseits des eigentlichen Themas. Er spricht für humanistische Ideale und gegen das Verfolgen populistischer Thesen und argumentierte an vielen Stellen des Vortrags für eine weltoffene Gesellschaft und das kritische Hinterfragen von Zusammenhängen. Die Welt zu bereisen bildet. Und in seinem Falle war dies der Ursprung seiner Liebe zum Saarwein.

Schon die Römer betrieben vor 2.000 Jahren an gleicher Stelle Weinbau. In der Neuzeit wurden die Weine aus Wiltingen bereits 1816 in einem der ersten Weinführer der Welt überaus lobend erwähnt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts genossen die Weine von Van Volxem Weltruhm, so dass sie in der Spitzenhotellerie vom Berliner Adlon bis hin zum Ritz-Carlton in New York zu höchsten Preisen angeboten wurden – meist teurer als die besten Grand Crues Frankreichs.

Die Historie reizte Roman Niewodniczanski genauso wie die Herausforderung, die Marke zu neuem Leben zu erwecken. Denn bis in die 1980er Jahre hinein war es durch Überproduktionen um den Ruf des Saar- und Moselweines nicht gut bestellt. Diese galten als billige Massenprodukte schlechter Qualität. Erst in den 1990er Jahren änderte sich dies durch engagierte Winzer, die ihre „alte Liebe“ zu den Steillagen und stark mineralischen Weinen aus schweren Schieferböden wieder entdeckten.

Niewodniczanski verfügt heute über 90 ha absolute Spitzenlagen, die allesamt per Hand gepflegt, bearbeitet und gelesen werden. Rund um das Jahr beschäftigt das Weingut Van Volxem so ca. 35 Mitarbeiter und in der Saison über 100 Erntehelfer. Die Lagen rund um Wiltingen boomen, was sich nicht zuletzt in Quadratmeterpreisen von aktuell bis zu 20,- Euro für den Ankauf neuer Flächen widerspiegelt. Niewodniczanski setzt mit seiner Philosophie ganz auf leichte und alkoholarme „Naturweine“, die so traditionell wie vor 100 Jahren sein sollen. Weine, die wie Van Volxem durch ihre einzigartige Herkunft differenzieren. Dies ist letztlich das alleinige Erfolgsrezept der Marke.

Die Gäste konnten sich zum Abschluss selbst von der herausragenden Qualität des Van Volxem-Rieslings bei einer kleinen Probe überzeugen (1.Wein: „VV“, 2.Wein: Wiltinger Riesling, 3.Wein: Kabinett Rotschiefer Riesling).

Autor: Markus Zimmermann