Rückblick Veranstaltung

Vom Saarland in die Welt

Do. 16.11.2017 19:00 Uhr - Esplanade
Referent/-in: Wolfgang Meiser
Moderation: Dagmar Schumacher

Wachstumsstrategien unter der Lupe - wie die Gebr. Meiser GmbH weltweit erfolgreich wurde

Die Gäste des Marketingclubs Saar hatten an diesem Abend in der Esplanade in Saarbrücken die seltene Gelegenheit, einen Vortrag von Wolfgang Meiser verfolgen zu können. Er und das Unternehmen pflegen bei allem Erfolg gerne das Understatement und meiden es bewusst, zu stark in der Öffentlichkeit zu stehen. Dabei kann die Gebr. Meiser GmbH mit Sitz in Schmelz-Limbach getrost als eine der großen saarländischen Erfolgsgeschichten bezeichnet werden – mit dem Etikett des „Hidden Champions“.

Die Firma wurde 1956 von Edmund Meiser gegründet, dem Vater der beiden aktuellen Geschäftsführer Ulrich und Wolfgang Meiser. Selbst mit 85 Jahren ist der Patron noch heute täglich in der Firma und begleitet aktiv die wichtigsten Prozesse. Meiser ist einer der größten Arbeitgeber des Saarlandes und verzeichnete 2016 einen Umsatz von fast 400 Millionen Euro. Das Unternehmen ist in vielen Ländern weltweit tätig und gehört vielfach zu den führenden Unternehmen seiner Branche.

Mit einer cleveren, stets an den Marktbedürfnissen ausgerichteten Produktpolitik schaffte es Meiser, den Stürmen der metallverarbeitenden Industrie Stand zu halten, die viele Wettbewerber in die Insolvenz getrieben haben. Feuerverzinkte Gitterroste waren die Wiege des Unternehmens und stellen auch heute noch die Hauptprodukte dar – freilich mit einer deutlich erweiterten Palette von Anwendungen. Hinzu kommen Gerüste, Treppenanlagen, Böden für die Industrie, Fangschutzgitter und mit Weinbergpfählen und Fassreifen für Barrique-Fässer auch Produkte für den Weinbau. Erstaunlich: vom einstigen Nischenprodukt Weinbergpfähle produziert man aktuell über 10 Millionen Stück jährlich.

Die Abnehmer der Hauptprodukte kommen vor allem aus der Logistik-, Lagersystem- und Automobilindustrie. Aber auch die Massenkunden wie Stahlbauer und Schlosser sowie der Metallhandel nutzen und verkaufen die „gesichtslosen Industrieprodukte“ aus dem Hause Meiser. So bezeichnete der studierte Kaufmann und vierfache Vater Wolfgang Meiser die größte Herausforderung des Unternehmens in der Vermarktung seiner Produkte. Das Marketing eines klassischen Markenartiklers ist hier nicht zielführend.

Wolfgang Meiser trat direkt nach dem Studium schon vor 20 Jahren in den Familien-betrieb ein und begleitete von Anfang an den internationalen Wachstumskurs des Unternehmens. So war sein Kernthema des Abends, wie Meiser sein Wachstum durch Übernahmen und Joint Ventures in verschiedenen Ländern und Produktsegmenten in ganz unterschiedlicher Form gestaltet hat.

Der Referent präsentierte konkrete Beispiele aus unterschiedlichen Ländern. In Dubai sei man mit „leeren Koffern“ gestartet, aber mit einem Riesenauftrag zur Errichtung des Fördersystems am Dubaier Flughafen (100.000 qm Gitterroste) im Rücken. Das Projekt war dann ein guter Start, um sich einen Namen im Land zu machen und einen Partner vor Ort für ein Joint Venture zu finden. In Ägypten war die Partnerschaft mit Hady dagegen geprägt von „Vertrauen auf den ersten Blick“, aus dem über die Jahre eine enge Freundschaft zwischen den Inhaberfamilien entstand.

Manchmal brauchte es auch zwei Anläufe zum Glück: nachdem man den französischen Hersteller von Weinbergpfählen, Profil Alsace, im ersten Schritt 2006 nicht übernehmen konnte, gelang dies nach Insolvenz des Partners im Jahr 2014 dann doch. Aus Konkurrenten wurden Partner, auch indem man durch offene Kommunikation und Ehrlichkeit Vorbehalte beim Management abbaute. Die Übernahme war dann so erfolgreich, dass in nur drei Jahren der Umsatz verdoppelt wurde.

Wichtig für Meiser sei bei Verhandlungen v.a. die Frage, ob die Philosophie der beiden Unternehmen zusammenpasst und ob es gelingt, Vertrauen in das andere Management aufzubauen. Bauchgefühl sei wichtig und die Fähigkeit, sich nicht vom vorauseilenden Ruf eines Unternehmens beeinflussen zu lassen, denn dieser entspräche oft nicht der Realität.