Start-Up-Insights: the nu company

Schokoriegel neu gedacht

Bei der Überlegung, welche Marketingkampagne das Netz im letzten Quartal diesen Jahres am meisten bewegt hat, fällt mir direkt „the nu company“ ein. The nu company ist ein Start-up aus Leipzig, welches zuckerreduzierte Schokoriegel vertreibt, die in heim-kompostierbarer Zellulosefolie verpackt werden.
Im Oktober hat sich das Unternehmen in einem offenen Brief im Spiegel und der Lebensmittelzeitung an die Ernährungsministerin Julia Klöckner gerichtet. The nu company fordert die Einführung der Zuckersteuer und strengere Verpackungsrichtlinien, um endlich ein Umdenken in der Süßwarenindustrie hin zu nachhaltigerem Handeln zu bewegen.
Schnell wurden die Inhalte über die sozialen Medien verbreitet. Vor allem durch Videoads wurde eine große Zielgruppe erreicht. Auch mit einer Out-of-Home-Kampagne hat das Start-up in Großstädten mit Plakatwänden auf sich aufmerksam gemacht. In der Presse wurde zahlreich über die Aktionen des Schokoriegelherstellers berichtet.
Die Umsetzung der Kampagne ist geprägt von einem Design aus auffälligen warm-gelben Flächen mit großer weißer Schrift und einer nebensächlichen Produktplatzierung. Bei den Videos wird ein eingängiges Jingle verwendet, das im Kopf bleibt. Hauptdarsteller im Bewegtbild ist einer der drei Gründer, der in 40 sekündigen Videos an Politik, Wettbewerber und Kunden appelliert und den Fokus ohne Kulisse und in komplett schwarzer Kleidung schnell auf das gesprochene Wort lenkt.

 

Begleitet wurde the nu company bei seiner Kampagne von der Frankfurter Agentur Kastner. Die Kampagnenziele, eine breite Bekanntheit bei Verbrauchern zu erzeugen und Resonanz zu generieren, hat das junge Unternehmen mit seiner Kampagne offensichtlich erreicht. Inzwischen sind die Riegel bei dm und Rewe gelistet. Im Gegenzug wird für jedes verkaufte Produkt ein Baum gepflanzt, aktuell sind dies rund 3.1 Millionen Stück. Auch mich hat the nu company zum Riegelkauf bewegt – und was soll ich sagen, die Schokolade schmeckt zuckerreduziert und gut. Ich kann mich an den neuen Geschmack gewöhnen. Jedoch habe ich mich beim Vernaschen auch gefragt, wie viele der Verpackungen eigentlich tatsächlich schon auf dem Komposter der Verbraucher landen und wie viele noch im regulären Müll? Die Antwort darauf ist wohl auch für die nu-Gründer noch herauszufinden.
Meiner Meinung nach ist die Kampagne großartig aufgezogen und ein Paradebeispiel für purpose-driven Marketing, bei der das „Why“ und nicht das „What“ in den Vordergrund gestellt wird. Natürlich ist es etwas überzogen dargestellt, mit einem Schokoriegel die Welt retten zu können. Aber seien wir mal ehrlich, nur mit ebendiesem Selbstbewusstsein entstehen Marken, welche die Menschen bewegen und dauerhaft einen Platz in deren Herzen finden. Wenn the nu company seine Kunden zu Nachdenken und nachhaltigerem Konsum bewegt, dann ist das Unternehmen ein gutes Vorbild, bei dem sich hoffentlich noch viele weitere Future Startups etwas abschauen werden. Denn was letztlich zählt, um eine gesündere und ökologischere Welt von morgen zu gestalten, sind Überzeugung, Mut und der erste Schritt in die richtige Richtung.

Mehr zu Kampagne unter: https://www.the-nu-company.com/kampagne/