Rückblick Veranstaltung

Denken 4.0 – wie wir uns im Zeitalter der Digitalisierung erfolgreich behaupten

Fr. 18.01.2019 19.00 Uhr - Tanzschule Bootz-Ohlmann GmbH, Europaallee 4a, 66113 Saarbrücken
Referent/-in: Prof. Wolfgang Henseler
Moderation: Anja Persch

Prof. Henseler setzt den Nutzer ins Zentrum von Denken und Handeln

„Amazon ist nicht der Feind des Handels, Amazon ist der Feind der schlechten Kundenerfahrung im Handel.“ Um im digitalen Zeitalter erfolgreich zu agieren, muss man das Denken auf die Nutzerzentrierung und die optimale Customer Experience fokussieren. Professor Henseler zeigte im Verlauf seines Vortrags eindrucksvoll an einigen Beispielen, wie man die Instrumente einsetzt, die das Internet der Dinge und Dienste oder Internet of Things und die Technologien der Künstlichen Intelligenz uns an die Hand geben. Während wir heute Apps nutzen, geht der nächste Schritt zur vermehrten Nutzung von VUI – Voice User Interfaces – wie Alexa oder Siri. Denn Apps zielen noch auf die Allgemeinheit der Nutzer, während die VUI auf das ganz individuelle persönliche Bedürfnis eingehen.

So sammelt Google Duplex zum Beispiel Daten aus dem Alltagsleben und erfasst auch Friseurbesuche. Aus dem Verhalten schließt der Algorithmus, wann der nächste Friseurbesuch fällig ist und ruft dann auch an, um einen Termin zu vereinbaren. Ein anderes Beispiel zeigt, wie Amazon Innovationen fördert. Professor Henseler hat mit seinen Studenten eine App entwickelt, die anzeigt, wenn eine Windel gewechselt werden muss. Das zunächst auf Eltern und ihre Babys zugeschnittene Produkt wurde dann erweitert, um auf dem stetig wachsenden Markt der Erwachsenenwindeln Gewinne zu erwirtschaften.

Der Handel, der sich langsam vom Multichannel zum Omnichannel Angebot entwickelt, muss in Zukunft smarte Ökosysteme entwickeln unter dem Schlagwort „Data Driven Business“. Der Grundgedanke: Der Anbieter weiß, dass der Kunde ein Produkt oder eine Dienstleistung bestellt, bevor der Kunde selbst es weiß. Dazu erfassen Sensoren das Handeln, Fühlen und Denken des Menschen – inklusive medizinischer Daten. Diese Daten werden dann in Echtzeit algorithmisch analysiert, um eine Produktion auszulösen.

Die Nähe zum Kunden und die Geschwindigkeit der Datennutzung sind somit die entscheidenden Erfolgskriterien der Zukunft. Jeder muss sich die Frage beantworten: „Mit was oder wie bin ich näher und schneller am Kunden?“ Diese Nutzerzentrierung ist eine Kombination aus der Usability, die Aufwand und Zeit der Zielerreichung beschreibt, und situativen Relevanz, also dem auf das Wesentliche reduzierte.

Professor Henseler führt hier noch ein Stichwort ein: Nudging beschreibt die Fähigkeit, einen Kunden in genau seinem eigenen Sinn zu manipulieren. Ganz nach dem Motto: „Don’t make me think, make me happy.“

Zu Beginn des Abends hatte Geschäftsführer Ramon Gechnizdjani die Gäste in den Räumen der Tanzschule Bootz-Ohlmann begrüßt, die sich wieder als exzellenter Gastgeber präsentierte. In ihrer Begrüßung zum neuen Jahr gab Marketingclub Saar Präsidentin Anja Persch einen Ausblick auf die Highlights 2019. Sie stellte ein neues Sponsoring Format vor, bei dem die Sponsoren eine Veranstaltung des Marketingclubs und sich selbst in einem kurzen Film präsentieren, der dann auf Facebook, Youtube und der Website gezeigt wird. Den Anfang haben Inexio und Energis gemacht. Daneben kündigte Anja Persch den 4. Marketing Award Saar an und forderte zur Beteiligung auf. Die Ausschreibung läuft bis 30. April 2019, die Preise werden am 23, August 2019 in der Gebläsehalle in Neunkirchen verliehen. Anschießend rief Anja Persch dazu auf, Gründern im Bekanntenkreis die Existenzgründerinitiative des Marketingclubs vorzustellen, und das Team durch eigenes Engagement zu unterstützen.

Der Vortrag von Professor Henseler zeigte wieder deutlich: Anhand der zahlreichen Beispiele und der Leidenschaft des Vortragenden ist es einfach wichtig, Veranstaltungen des Marketingclub Saar tatsächlich live zu erleben.

(Autor: Frank Becker)


© Foto: Dirk Guldner / guldner.de